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(Vorsicht, viel Text)

Seit einigen Versionen wird der Niedergang einer bewährten AutoCAD-Funktion immer wieder diskutiert. Zunächst schienen es noch kleine Unzulänglichkeiten der Funktion in Version 2008 zu sein – vielleicht Nachlässigkeiten der Pflege - spätestens aber mit AutoCAD 2011 war klar, dass Autodesk das bisherige Hilfesystem komplett kippen würde und neue Wege geht: Online-Hilfe, im wahrsten Sinne des Wortes.

Grundsätzlich keine schlechte Wahl, zumal es zunächst auch Offline-Kopien gibt und Autodesk von Beginn an argumentierte, die Online-Programmhilfen so aktualisieren zu können. In der Realität sieht das Feature bisher allerdings anders aus – der Seitenaufbau der Hilfe in 2011 und 2012 stellte sich on- wie offline als ärgerlich langsam heraus, die Ergebnisse der Suchfunktion sind höchst unbefriedigend und ob die Dokumentation abseits der eingeblendeten Links zu Blogs und anderen Websites jemals aktualisiert wurde, ist unbekannt. Davon abgesehen wird befürchtet, dass eine Hilfe mit immer mehr multimedialen Inhalten die Internetbandbreite für die eigentlich wichtigen Datenverbindungen schwächt.

Heute steht AutoCAD 2013 auf dem Schreibtisch und sehet, Autodesk hat das Kaputte tatsächlich noch kaputter machen können. Der Zugriff auf die Einzeldokumente funktioniert ausschließlich und ausgerechnet über eine Suchfunktion. Gliederung? Fehlanzeige. Suchergebnisse? Schlecht, wie gehabt.

Als Anwender steht man etwas ratlos vor einem unstrukturierten Haufen (oder sollte man besser von einer Wolke sprechen) Dokumente und fragt sich nach jeder Suchanfrage ob tatsächlich das gefunden wurde, was man gesucht hat. Es gibt keine Möglichkeit, die Suche zu verfeinern, Oberbegriffen nachzugehen und Themengebiete durchzuarbeiten. Auf AutoCAD übertragen hieße das, nur mit zwei Befehlen, ZOOM-Grenzen und ZOOM-Objekt, zu navigieren, wobei ZOOM-Objekt nicht immer das zeigt, was man eigentlich sehen wollte.

Warum die Strukturierung der Dokumentation vorsätzlich aufgegeben wurde, ist ein Rätsel. Vor diesem Hintergrund steht die Aussage eines Autodesk-Mitarbeiters, dass die Hilfe künftig auch Inhalte von Anwendern und Informationen externer Webseiten enthalten soll, in einem neuen Kontext – es müsste eine neue, andere Struktur her!

In diesem Zusammenhang stellen sich weitere Fragen:

Will Autodesk die Funktionen seines Produkts nicht mehr in aller Tiefe dokumentieren? Davon ist hoffentlich nicht auszugehen.

Soll künftig die - zweifellos sehr aktive - AutoCAD-Community Teile der Dokumentation über Blogs, Foren und Wikis übernehmen? Klingt zunächst sehr positiv, allerdings müssten auch diese Inhalte redaktionell betreut werden, wenn sie nicht ein weiteres heilloses Durcheinander darstellen sollen.

Oder schlägt etwa der Trend aus dem Consumer-Bereich ins professionelle Umfeld durch, nach dem ein Anwender sich Softwareprodukte wie ein Spiel erarbeiten soll? Ohne umfassende Dokumentation. Ergänzt lediglich durch ein paar Videos und dem Hinweis auf professionelle Produktschulungen.
Ich halte diesen Trend für überaus gefährlich. Eine umfassende Produktdokumentation ist insbesondere im professionellen Einsatz essentiell für einen Erfolg des Anwenders. Denn darum geht es: Der Anwender versucht, mit dem Ergebnis seiner Arbeit erfolgreich zu sein, nicht mit dem spielerischen Verständnis für sein Werkzeug. Hat er das Gefühl, ein nicht angemessen erklärtes Werkzeug zu verwenden, sucht er sich ein neues.

Was wäre also angemessener bei einem Produkt wie AutoCAD, CAD-Weltmarktführer und mit einer Anwenderschaft in allen Lebens- und Arbeitsbereichen, als eine möglichst komplette Dokumentation?

Mit „Dokumentation“ ist übrigens Dokumentation im Wortsinn gemeint: Eine Sammlung von „Dokumenten“. Die derzeit popul&¨ren Kurzvideos taugen allenfalls als Ergänzung, denn sie sind nicht per Volltextsuche zu erreichen und könnten die Tiefe eines 2-Seiten-Textdokuments nie mit vertretbarem Aufwand abbilden. Bilder sagen nicht immer mehr als tausend Worte. Sie sind in unserem Fall nur die oberflächlichste Möglichkeit, ein Softwareprodukt wie AutoCAD kennenzulernen. Ein Beispiel: Wie viel Videomaterial wäre wohl notwendig, um alle Optionen des Befehls ATTEDIT umfassend abzubilden?

Wie auch immer. In einem der Links weiter unten wird angedeutet, dass Autodesk an einem Update des Hilfe-Systems von 2013 arbeitet. Hoffen wir auf Besserung...

 

 

Abschließend noch einige Links zur eingangs erwähnten Diskussion rund um die Evolution der Hilfe.
Sehr interessant ist beispielsweise eine Diskussion in den Autodesk Discussion Groups vom April/Mai 2011. Die Diskussion wurde initiiert und begleitet von Dieter Schlaepfer, offenbar einem Mitverantwortlichen bei Autodesk zum Thema Produktdokumentation. Hier geht es um die damals noch künftige Ausrichtung der AutoCAD-Hilfe:

How do you use Help?

 

Die aktuellen Beiträge und Kommentare im Blog des geschätzten Steve Johnson sind teilweise sehr kritisch, aber immer auch konstruktiv und unterhaltsam. Anerkennenswert auch, das Dieter Schlaepfer sich hier meldet:

AutoCAD 2013 – Autodesk pulls off a miracle with Help
AutoCAD 2013 – Autodesk video tutorial for Help
AutoCAD 2013 – Help improved in one area
AutoCAD 2013 – Using Help in anger
AutoCAD 2013 – An Autodesk Help writer responds

 

Eine Diskussion über Wünsche zur Hilfe von März/April 2011:

Wishs about AutoCAD 2012 Help Documents

 

Und natürlich der aktuelle Beitrag bei CAD.de zu Hilfe in AutoCAD 2013:

2013, Hilfe?

 

 

Update - September 2012

Überraschung: Autodesk hat die AutoCAD-Onlinehilfe nachgebessert! Zunächst allerdings nur die englische. Gut, sie ist immer noch suchbasiert, aber die Ergebnisse verdienen inzwischen diesen Namen. Außerdem wurde an Geschwindigkeit, Optik und Handling gearbeitet. Lispler wird es freuen, dass die Entwicklerhilfe jetzt integriert ist und mit sinnvollen interne Links ergänzt wurde, um Themen breiter recherchieren zu können. Wermutstropfen: Die ActiveX-Hilfe fehlt nach wie vor. Sie ist nur als separater Download verfügbar.

Es fehlt immer noch eine Gliederung und leider ist das direkte Verlinken von Hilfe-Themen nur über Umwege möglich.

Bleibt zu hoffen, dass die lokalisierten Hilfen nachziehen, denn die englische Onlinehilfe sieht nicht nur besser aus, ist schneller und umfassender als die deutsche, sondern bietet unter anderem einen Schalter, um Suchergebnisse aus dem Web unterdrücken zu können sowie den "Hitchhikers Guide to AutoCAD" mit 42 Basics.

Autodesk, gut bis hierher. Weitermachen!

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